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Für ein verhältnismässig kleines Land (die Bevölkerung beträgt knapp 5 Millionen) weist Norwegen einige interessante - oder treffender - hervorragende Jazzpersönlichkeiten auf. Das gilt wahrlich nicht nur für die männlichen Vertreter dieses Fachs: Jazzsängerinnen wie Radka Toneff, Karin Krog, Magni Wetzel und - wie sollte es anders sein - Laila Dalseth bilden hier lediglich die Spitze.
Laila Dalseth reiht sich mit ihrer warmen Jazzstimme in die Reihe von Anita O'Day, Sarah Vaughan, Ella Fitzgerald ... Sie besitzt das gewisse Etwas, welches den Jazzsänger eben vom Jazzsänger unterscheidet: das Gefühl für subtile rhythmische Nuancen. Wie alle grossen Sänger des Jazz ist sie in jeder Silbe gegenwärtig - keine Nachlässigkeiten, kein Verharren, keine Unaufmerksamkeiten. Präsenz in jedem Ton, in jedem Laut, gleichzeitig warm und kühl, nachgiebig und standhaft, süss und salzig.
Laila Dalseth war schon von Jugend an musikalisch tätig. Mit 14 Jahren sang sie und war einer der Gründer des legendären Jazzvereins "Neptun" in Bergen. 1960 zog sie nach Oslo, wo sie mit den meisten Künstlern des Mainstream-Jazz in Norwegen gearbeitet hat. Sie war im Fernsehen und Radio aktiv - in Deutschland, Jugoslawien, England und Schottland -, hat an zahlreichen Konzerten und Touren teilgenommen und mit einer grossen Zahl international anerkannter Musiker gearbeitet - Al Cohn, Bucky Pizzarelli, Milt Hinton, Dave Frishberg - und aus Europa - Bengt Hallberg, Per Husby, Philip Catherine und Totti Bergh. Letzterer, der norwegische Saxophonist, ist gleichzeitig Dalseths Ehemann.
Wenn Laila Dalseth singt, dann ist das Magie: Ob sie aus "Time for love" "Nature Boy" oder "Emily" interpretiert oder dynamischer "When your Lover has gone", "I love you" oder "The song is you" - immer bleibt sie authentisch - Laila Dalseth. Ebenso zieht einen "The Judge and I", wo sie von Milt Hinton (Bass) begeleitet wird, in seinen Bann: Mit "Out of nowhere" (Green & Heyman) ist keine 1001ste sondern eine völlige neue Auslegung gelungen. Es macht einfach Spass, Dalseth durch ihre Interpretationen zu folgen. Ob weich und anschmiegsam in "It might as well be spring", "In a sentimental mood", "Until the real thing comes along" oder "Memories of you"; ob dynamisch rollend in "Lover come back to me" oder spritzig-quirlig in "Just in time". Als besonders eigenwillig präsentieren sich "I gotta right to sing the blues" und "God bless the child".
Solo-Discografie bei Gemini : One of a Kind (2000 - Sampler) / Time for love (1986) / The Judge And I (1990) / Daydreams (1994) / A woman`s intuition (1995) / Listen Here! (1999)
Kooperationen und Einzeltitel bei Gemini : Laila Dalseth & Al Cohn Travelling light (1986) / Christina Jazzband featuring Laila Dalseth Nice work (1990) / Laila Dalseth, Thingnæs, Johansen, Kapstad, Alterhaug, Hansen Some other time (1990)
Stephan Gohdes, Deutschland, Feb. 2002
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